22 Jul 2020

„IT ist kein Kostenfaktor, sondern ein Betriebsmittel.“

Das sagt Stefan Truthän häufig. Es ist fast schon ein Mantra für den Geschäftsführer von hhpberlin – Ingenieure für Brandschutz geworden. Und auch proMX-Vorstand Peter Linke zitiert den Spruch des Endlos-Innovators Truthän inzwischen oft in Kundengesprächen.

Diese Erinnerung an die zentrale Rolle von Technologie bot auch den Auftakt einer Gruppendiskussion im Rahmen von „Zeit für digitalen Wandel“, einer Online-Veranstaltung von proMX, die Anfang Juni stattfand.

Linke und Truthän sprachen dabei mit Rainer Pöltz von Microsoft, Oliver Berchtold von SoftwareONE und Alf Pille vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) über die Auswirkungen der Corona-Krise auf Unternehmen, Vor- und Nachteile des Homeoffice, den Arbeitsplatz der Zukunft, welche Veränderungen nun auf Organisationen zukämen und die digitale Transformation im Allgemeinen.

Corona: Krise oder nur veränderte Situation?

Die Diskussion stand – wie so vieles dieser Tage – vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen für Gesellschaft und Wirtschaft.

Die Krise und die von ihr ausgelöste Homeoffice-Pflicht wird vielerorts als entscheidender Impuls für Unternehmen gesehen, ihre digitale Transformation endgültig in die Wege zu leiten.

Truthän glaubt jedoch, dass der Begriff Krise überholt ist. Stattdessen solle man sich fragen, was es den Leuten so schwer macht, Neues auszuprobieren: „Was wir uns doch sehnlichst wünschen, ist, dass wir etwas mehr Beweglichkeit bekommen. Covid-19 hat das nicht ausgelöst, sondern nur transparent gemacht.“

Alf Pille, Geschäftsführer des LBV, pflichtete ihm bei:

„Wir haben […] uns [diese Unsicherheit über die Zukunft] nur nie bewusst gemacht. Technik spielt beim Krisenmanagement eine wichtige Rolle. Der zentrale Faktor ist aber: Sind die Menschen im Unternehmen vorbereitet darauf, dass eine Krise kommen kann – welcher Art auch immer? Und sind die Strukturen und die Abläufe und das Vertrauen untereinander so groß, dass man damit umgehen kann?“

Alf Pille, Landesbund für Vogelschutz

Wie Microsoft und unsere Kunden die Herausforderung gemeistert haben

Laut Berchtold, der seit 16 Jahren bei SoftwareONE arbeitet, waren die Veränderungen für den global agierenden Konzern „nicht so dramatisch“. 98 Prozent aller MitarbeiterInnen hätten produktiv von zuhause gearbeitet. Besonders geholfen habe die Kultur (ein „Family-Denken“), die die Führungsriege seit Langem etabliert habe. So wurde dem Team signalisiert: „Ihr seid nicht allein, es geht weiter.“

Als Verantwortlicher einer Non-Profit-Organisation fiel Alf Pille in der Runde etwas aus der Reihe. Neben den 250 Angestellten sind beim LBV nämlich auch 5 000 ehrenamtliche MitarbeiterInnen mit von der Partie. Ehrenamtliche Aktivitäten waren in der letzten Zeit aufgrund der Kontaktbeschränkungen zunächst komplett lahmgelegt.

Was sich jedoch als Glücksgriff herausstellte, denn der Zwei-Jahres-Plan, den LBV verfolgte, um seine Ehrenamtlichen zu „digitalisieren“, konnte so in zwei Wochen abgeschlossen werden: „Manche sind aus ihrem konventionellen Denken herausgefallen und haben plötzlich gesehen: Das geht!“

Peter Linke gab einen Einblick in die Situation bei proMX und wie die Geschäftsleitung auf die Tatsache reagiert hat, dass nun alle Mitarbeiter im Homeoffice arbeiteten (darunter auch mehrere Personen, die ihr Arbeitsverhältnis während der Ausnahmesituation begonnen hatten): Regelmäßige Videobesprechungen zum Austausch ohne Bezug zur eigentlichen Arbeit, Seminare zur Persönlichkeitsbildung und eine Flasche Rotwein, die an alle MitarbeiterInnen verschickt wurde, um nur drei der Maßnahmen zu nennen.

Auch SoftwareONE hat zusätzliche Maßnahmen ergriffen, um neue Teammitglieder in dieser verunsichernden Zeit willkommen zu heißen: Das Top-Management inklusive CEO haben ein zweistündiges Onboarding für neue Angestellte geleitet.

Homeoffice: ja, nein oder manchmal?

Während viele Angestellte das Homeoffice schätzen und sich vorstellen können, permanent von zuhause zu arbeiten, steht Truthän der permanenten „Officeflucht“, wie er es nennt, kritisch gegenüber und betont die Wichtigkeit des sozialen Miteinanders im Büro. Es gebe eine „Sehnsucht der Leute zum Austausch“ und Menschen bräuchten das physische Miteinander.

Pöltz attestierte, dass die Menschen das Zusammensein im Büro vermissten. Das machte er daran fest, dass er in Teams oft benutzerdefinierte Hintergründe sehe, die nicht etwa Strandbilder zeigten, sondern Fotos des eigenen Büros. Er glaubt, dass die Arbeitssituation nicht wieder so sein wird, wie sie einmal war:

„Es wird eine Veränderung geben. (…) Wir werden auf andere, modernere, bessere Kommunikations- und Kollaborationsmöglichkeiten zurückgreifen.“

Rainer Pöltz, Microsoft Deutschland

Was Unternehmen jetzt noch bremse, sei die fehlende Kundigkeit.

Was wird in Zukunft anders sein?

Truthän findet es „müßig“, sich stetig Gedanken über die Zukunft zu machen. „Ist doch egal, was dann ist. Wichtig ist, dass wir gut aufgestellt sind, mit solchen Anforderungen umzugehen“, meint er und plädierte dafür, auch mal ein positives Bild von der Zukunft zu zeichnen, statt immer negativ und dystopisch zu denken.

Pöltz betonte, dass Unternehmen bei Digitalisierung stets auch in Richtung Mitarbeiter überlegen müssen, um „nervtötende, unsinnige, aufwändige Aufgaben“ zu eliminieren. Denn was MitarbeiterInnen glücklich mache, sei nicht nur der Verdienst. Gerade ab einem bestimmten Einkommensniveau wird es immer wichtiger, das Gefühl zu haben, etwas Sinnvolles zu tun.


Sehen Sie sich die gesamte Unterhaltung hier an:

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