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Sebastian Sieber
2 Apr. 2026
Thought Leadership | 4 Min. Lesezeit

Das hängt davon ab, ob man 2026 als strategischen Wendepunkt sieht oder schlicht als gesetzte Deadline. Für Organisationen, die Project Online als zentralen Bestandteil ihres Projektportfolios einsetzen, ist 2026 keine offene Frage mehr. Microsoft hat ein fixes Enddatum festgelegt: Project Online wird am 30. September 2026 eingestellt. Bereits seit dem 1. Oktober 2025 werden neue reine Project‑Online‑SKUs nicht mehr an Neukunden verkauft. Nach dem Stichtag ist weder der Zugriff auf Project Online noch auf die darin enthaltenen Daten möglich.

Diese Ankündigung verändert jede Diskussion. Es geht nicht mehr darum, ob man die PPM‑Landschaft modernisieren sollte. Es geht darum, wie man das Risiko des Übergangs minimiert und gleichzeitig mehr Kontrolle über die Wirtschaftlichkeit der Projektabwicklung gewinnt. Denn späte Migrationen führen erfahrungsgemäß dazu, dass Governance verloren geht, Reports nicht mehr stimmen und Projektteams mit parallelen Systemen arbeiten.

Microsoft zieht dabei klare Grenzen: Die Einstellung betrifft ausschließlich Project Online. Project Desktop, Project Server Subscription Edition und Planner bleiben davon unberührt. Es gibt also Optionen – aber nicht jede Option löst dasselbe Problem.

Aus Sicht eines PMO ist der Kernbedarf bekannt: Standardisierung, Transparenz, Abhängigkeiten, Ressourcenplanung und Steuerungsmechanismen. Für den CFO ist die Perspektive direkter: Cashflow, Marge, Erlösverluste und Prüfbarkeit. Projektmitarbeitende wiederum erwarten klare Zuweisungen, eine intuitive Bedienung und eine saubere Integration in die Tools, mit denen sie ohnehin arbeiten.

Genau hier rückt Dynamics 365 Project Operations zunehmend in den Fokus. Microsoft positioniert die Lösung als Bindeglied zwischen Vertrieb, Ressourceneinsatz, Projektmanagement und Finance – mit dem Ziel, Projekte schneller umzusetzen und die Profitabilität zu steigern.

Die eigentliche Veränderung: von Zeitplänen zu operativer Steuerung

Organisationen scheitern selten daran, dass sie keinen Gantt‑Plan erstellen können. Sie scheitern an fragmentierten Betriebsmodellen: Der Vertrieb übergibt an die Delivery, die Delivery kennt die Finanzregeln nicht, Finance vertraut den Ist‑Daten aus Projekten nicht, und das Management erhält verspätete oder widersprüchliche Berichte.

Ein Blick auf Microsofts aktuelle Investitionsschwerpunkte für Project Operations macht das deutlich. Im Release‑Wave‑2‑Plan 2025 (Oktober 2025 bis März 2026) geht es nicht um Kosmetik. Im Fokus stehen die Prozesse, in denen Organisationen entweder Kontrolle gewinnen oder Geld verlieren: Verbesserungen bei Zeiterfassung und Spesen, Erweiterungen in der Planung (unter anderem Unternehmensfelder, Editierbarkeit und Ressourcenzuordnung) sowie Usability‑Optimierungen für Abrechnungsrückstände, Pro‑forma‑Rechnungen, Freigaben und Vertragsmanagement.

Genau das sind die Punkte, die für Entscheider relevant werden: Was wird erfasst, was freigegeben, was abgerechnet – und wie verlässlich funktioniert das.

Budgetierung und Forecasting: Finance spricht endlich dieselbe Sprache

Wer aus Finanzsicht steuern will, braucht mehr als reines „Tracking“. Er braucht belastbare Budgets und vorausschauende Prognosen.

Das ist keine Theorie. Zu Microsofts Schwerpunkten für 2026 zählen verbesserte Budgetierungsfunktionen, zeitlich gestaffeltes Forecasting und Earned‑Value‑Management. Diese Erweiterungen sind direkt mit den tatsächlichen Projekttransaktionen verknüpft, sodass Forecasts sich an den realen Projektfortschritt anpassen. Gleichzeitig wird explizit darauf verwiesen, dass Budgets früh angelegt, überwacht und auf WBS‑Vorgänge verteilt werden können – für mehr Transparenz und Verantwortung auf Detail­ebene.

Kurz gesagt: Die Entwicklung geht klar in Richtung finanzieller Steuerung innerhalb des Projektsystems – nicht als nachgelagerter Zusatz.

Also: Ist 2026 „das Jahr“?

Für Project‑Online‑Kunden lautet die nüchterne Antwort: ja. Die Deadline steht fest, und Microsoft fordert explizit dazu auf, Alternativen zu prüfen und den Übergang aktiv zu planen.

Die interessantere Antwort ist jedoch: 2026 markiert für viele Organisationen den Punkt, an dem Projektmanagement nicht länger als reine Terminplanung verstanden wird, sondern als Frage des operativen Modells. Delivery, finanzielle Governance und ERP‑integrierte Abrechnung werden in einem System zusammengeführt, dem das Management vertraut. Microsofts Investitionen und offizielle Leitlinien zeigen klar in diese Richtung.

Umsetzung in der Praxis

In den eigenen Migrationsprogrammen von proMX – von Project Online zu Project Operations – wird dieser Schritt bewusst nicht als reiner Umzug bezeichnet. Im Zentrum steht die Konsolidierung von Aufgaben‑ und Portfoliosteuerung sowie die Beschleunigung von Quote‑to‑Cash durch die durchgängige Verbindung von Opportunity, Projekt und Abrechnung. In den Unterlagen werden Zielgrößen wie 20–30 % kürzere Abrechnungszyklen genannt. Ein „Customer Success Snapshot“ berichtet sogar von einer Verkürzung des Abrechnungszyklus um 40 % und einer Verbesserung der Forecast‑Genauigkeit um 25 %, nachdem Dynamics 365 Project Operations und Dynamics 365 Finance innerhalb von weniger als zwölf Monaten eingeführt wurden.

Wer auf Nummer sicher gehen will, folgt einem bewährten Muster: das Zielsystem früh festlegen, Finanzprozesse (Budgetierung, Forecasting, Abrechnung, Freigaben) konsequent validieren und Governance von Anfang an als zentrale Anforderung behandeln statt als Aufräumarbeit nach dem Go‑Live.